Teamvorstellung: Car Collection Motorsport

Datum: 27. März 2020

Das Team Car Collection Motorsport aus Walluf im Rheingau rund um Peter Schmidt und dessen Ehefrau Martina hat eine lange Geschichte. Das Motorsport-Magazin Motorsport XL traf Peter und Martina Schmidt sowie Car Collection-Stammfahrer Dirg Parhofer im vergangenen Jahr anlässlich des DMV GTC beim Schaeffler Paravan Race Weekends am Nürburgring und sprach mit ihnen über das Team Car Collection Motorsport und dessen Geschichte.

Emma – erwähnt man diesen Namen in Anwesenheit von Peter und Martina Schmidt, tritt Wehmut in die Augen des Gründerpaares von Car Collection Motorsport. Peter Schmidt ist alleiniger Geschäftsführer, doch der Name, der gleichermaßen Schmidts Autohandel wie sein Team ziert, der fiel der Frau an seiner Seite ein. Martinas Glückszahl ist noch heute die Sieben. Denn alles begann im Jahr 2002 mit ihr – mit der VLN-Startnummer Sieben (heute Nürburgring Langstrecken-Serie – NLS), mit Emma, wie der interne Kosename des markanten roten Porsche DP 935 RSR lautete. Zwar ist Peter Schmidt seit 1995 in der heutigen NLS dabei, die damals noch Veedol Langstreckenpokal Nürburgring hieß, doch die Grundzüge des heutigen Rheingauer Teams formierten sich erst Anfang des neuen Millenniums.

Emma hatte zu dem Zeitpunkt als sie Schmidts Eigentum wurde, schon unzählige Nordschleifen-Runden hinter sich; bereits seit 1998 auch mit Schmidt am Steuer, das er sich mit Erstbesitzer und Freund Wolfgang Destrée aus Zornheim bei Mainz teilte. Der Porsche, der bei seinen unzähligen Fans entlang der Nordschleife auch einfach gemäß Farbe und Startnummer als ‚rote Sieben' bezeichnet wurde, erlebte 1991 seine NLS-Jungfernfahrt – im Originalzustand, als 964 Cup. Mitte der Neunziger Jahre erfuhr der Wagen beim Langstrecken-Urgestein Destrée erste größere Überarbeitungen: Die Karosserie wuchs in die Breite und ein 3,8-Liter RSR-Motor wurde eingebaut. Später folgte der 935er-Umbau bei DP-Motorsport, namentlich durch Ekkehard Zimmermann, und ‚Emma' war wie neu geboren, als Schmidt sie 2002 übernahm.

2002 gab es bei Car Collection noch keine Teamkleidung. Es gab kein Boxenmauerzelt für die Zeitnahme, lediglich eine Stoppuhr, eine Boxentafel und einen Schreibblock. Es gab einen Anhänger statt eines großen ausgebauten Trucks. Aber es gab jede Menge Leidenschaft der überwiegend ehrenamtlich tätigen Teammitglieder für den roten Renner mit der flachen Nase und den tiefliegenden Augen – die Scheinwerfer des 935 RSR befinden sich in der Frontschürze, dazwischen liegt der charakteristisch große Lufteinlass. Technisch betreut wurde der Wagen damals von MD-Sportwagen. MD stand für Jochen Dronia und Andreas Mirow, die Werkstatt befand sich im Gewerbegebiet Mainz-Hechtsheim. So musste Emma nach dem Verkauf an Schmidt nicht die Rheinseite wechseln: Insider der Region wissen um das beständige Gekabbel der Alteingesessenen um die ‚ebsch Seit' und die Frage, welches wohl das bessere Ufer sei …

2005 hielt der technische Fortschritt bei Car Collection Einzug. Er kam in Gestalt eines Porsche 996 GT3 RS mit 480 PS, mit dem Peter Schmidt und seine Co-Piloten – Friedrich ‚Fritz' Ney, Winfried Bär und Michael ‚Rainman' Irmgartz – auch umgehend den siebten Gesamtrang beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring erzielten. Ein riesiger Erfolg für das nach wie vor kleine Privatteam. 2006 ging es erstmalig ins Ausland, zu den 24 Stunden von Dubai. Als Fahrer konnte Schmidt unter anderem Jan-Erik Slooten gewinnen, der der Truppe aus Walluf bis zu seinem Wechsel in den Porsche Sports Cup Deutschland treu blieb. Im Jahr 2007 kam ein neuer Cup-Porsche aus der Modellreihe 997 ins Haus, auch fing Schmidt damit an, Kundenautos zu betreuen und NLS-Renntaxifahrten anzubieten. Rasch gesellte sich ein weiterer Wagen aus Zuffenhausen dazu. Mittlerweile hatte Schmidt seine Fahrzeuge in die Obhut von Andreas Herbst gegeben und eine Werkstatt gegenüber der Autohandelsräume geschaffen.

2013 ging es dann los mit dem GT3-Projekt samt Markenwechsel – der erste Mercedes SLS AMG GT3 wurde angeschafft. Erfolge erzielte das Team unter anderem 2014 mit dem Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Zandvoort, 2015 mit einem dritten Platz bei den Hankook 12 Stunden von Mugello in der Klasse SP2 sowie dem Sieg in der Gentlemen-Wertung beim ADAC GT Masters am Nürburgring. 2016 gab es einen erneuten Markenwechsel, die Wahl fiel auf Audi. Der neue R8 LMS GT3 wurde ein Jahr später von seinen Kutschern, darunter Parhofers Sohn Dimitri, zum Gesamtsieg der 12 Stunden von Imola geführt.

Im Juni 2019 war ein weiterer Meilenstein zu verzeichnen: der dritte Gesamtrang bei der Hatz rund um die Uhr in der Eifel, erstmalig mit Werksunterstützung als Audi Sport Team Car Collection mit den Fahrern Marcel Fässler, Christopher Haase, René Rast und Markus Winkelhock. Zwei weitere Ingolstädter Boliden der GT3- und GT4-Klasse waren darüber hinaus im Einsatz; alle Autos sahen die Zielflagge. Solche Ergebnisse erzielt Car Collection schon lange nicht mehr mit ein paar engagierten Freunden, die Motorsport als Freizeitbeschäftigung sehen: Die Crew wuchs in den vergangenen Jahren auf bis zu 27 Köpfe an, unter denen Teammanager Denis Ferlemann eine besonders wichtige Rolle spielt. Er ist Schmidts Vertrauter, der sich um die Organisation, die Nennungen, die Reisen, das Personal sowie die Meetings mit Audi kümmert. Mittlerweile startet Car Collection Motorsport in fünf Serien: NLS, GTC Race/Goodyear 60, Creventic 24h Series, Carrera Cup Deutschland sowie ADAC GT Masters.

Und was wurde aus Emma? Die Geschichte endet traurig, und hiermit sei auch die Wehmut in den Augen der Schmidts erklärt: „Wir haben unseren Porsche DP 935 RSR verkauft. Neues Revier der ‚Roten 7' wird der Motorpark Oschersleben werden, der neue Besitzer plant Einsätze beim Bördesprint“, ließ Peter Schmidt am 20. Januar 2005 in einem bekannten Online-Forum für Freunde der Nordschleife verlauten. Bereits der erste Einsatz führte zu Emmas vorzeitigem Ableben gemäß ihrer Lackfarbe: der feuerrote Rennwagen ging in Flammen auf. Doch was geblieben ist, ist die Leidenschaft des Teams Car Collection Motorsport für die Sache.

Peter Schmidt und Dirg Parhofer im Kurz-Interview

Dirg, du fährst im GTC Race und Goodyear 60 einen Audi R8 LMS GT3 von Car Collection Motorsport. Wie kam es eigentlich dazu?

„Da muss ich etwas weiter ausholen: Nach längerer Rennsport-Pause fuhr ich 2007 in einem 997-Straßenfahrzeug im Porsche Sports Cup mit. Später bin ich auf einen Cup-Porsche und dann auf einen 911 GT3 R umgestiegen, seitdem haben mich die GT3-Autos nicht mehr losgelassen. 2015 kam ich zu Peter Schmidt, weil ich auf dem Mercedes SLS AMG GT3 bei den 24 Stunden in Dubai dabei sein wollte. 2018 habe ich dann am Red Bull Ring in Österreich beim GTC Race und Goodyear 60 reingeschnuppert, dort hatte Peter ja bereits den Audi. Mein Sohn Dimitri und ich sind dann auch bei den 12 Stunden von Abu Dhabi im Dezember 2018 für Car Collection gefahren.“

Peter, und weshalb hast du dich für Gaststarts in ‚unserer Serie' entschieden?

„Das GTC Race ist eine wunderschöne Serie. Wir sind dort immer wieder Gaststarter, 2019 in insgesamt fünf Rennen – und auch 2020 sind wir dabei. In zwei Kundenbereichen sehe ich hier eine echte Alternative zu anderen Veranstaltungen: Zum einen ist es eine gute Plattform für die ambitionierten Nachwuchsfahrer. Zum anderen ist es eine hervorragende Möglichkeit für Gentleman-Driver auf GT3-Fahrzeugen, die nicht in der NLS fahren wollen. Speziell in der Kombination mit dem Goodyear 60 hast du hier als Teilnehmer auch sehr viel Fahrzeit. Ich hab schon eine ganze halbe Stunde lang mit Markus Alber in der Corvette gekämpft, und beim Aussteigen im Parc fermé haben wir uns abgeklatscht – obwohl wir uns gar nicht kennen. Es hat einfach Spaß gemacht, es war hart aber fair! Jeder hier weiß, was die Fahrzeuge kosten – keiner fährt, als gäbs kein Morgen! Ich finde, die NLS hat sich negativ entwickelt, weil die Professionalität, die dort eingezogen ist, von der Organisation nicht gestemmt werden kann.“

Das klingt, als würdet ihr euch wohlfühlen im GTC Race?

Dirg: „Ja, im GTC Race und Goodyear 60 – und natürlich bei Car Collection! – gefällt es mir sehr und ich fühle mich rundum gut betreut. In der Lamborghini Blancpain Super Trofeo, in der ich auch mal gefahren bin, war es wesentlich steriler. Hier ist es lockerer, jeder kennt jeden, ich fühle mich hier wohler. Hier ist man noch Mensch, nicht nur Maschine.“

Peter: „Hier findet man noch ein Lebensgefühl wie in der VLN vor 15 Jahren. Es ist ebenfalls sehr professionell, es sind ja auch verschiedene GT-Masters-Teams vor Ort. Aber wie Dirg schon sagte, die Serie ist familiär, privat und persönlich geblieben, eben wie die ‚alte' VLN, aus der ich ja komme.“

Car Collection Motorsport 2020 im GTC Race und Goodyear 60

Für das Jahr 2020 plant Car Collection Motorsport zwei Fahrzeuge im GTC Race und Goodyear 60 einzusetzen: Einen Audi R8 LMS GT3 mit den Piloten Dirg Parhofer und Isaac Tutumlu-Lopez sowie einen Mercedes AMG GT3 mit Wim Spinoy und Kenneth Heyer am Steuer.




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