Keine Vorentscheidung in Dijon

Datum: 14. September 2011
DMV Touring Car Championship 7. Weekend Dijon (F) (09.09.-10.09.2011)

Keine Vorentscheidung in Dijon

Von Martin Berrang

Jürg Aeberhard (CH) dominierte beim siebtenDurchgang der DMV TCC in Dijon mit seinem Porsche 993 GT2 beide Läufe souverän. Er zog im frühmorgendlichen Nebel ebenso seine einsamen Runden, wie im zweiten Durchgang bei optimalem spätsommerlichem Wetter. Hinter dem schnellen Youngster ging es allerdings bedeutend spannender zu. Das betraf insbesondere die Klassen und noch mehr die Meisterschaft. Statt einer Vorentscheidung gab es auf der französischen Mini-Nordschleife vielmehr eine Verschärfung der Tabellen-Situation.

Beim ersten Lauf war nicht nur die Strecke im Burgund ähnlich wie der Nürburgring, sondern auch das Wetter: Es zogen nämlich recht starke Nebelbänke über die Strecke, die den Piloten die Fahrerei nicht gerade leicht machte. Davon unbeeindruckt drehte Aeberhard seine Runden und siegte klar und deutlich. Ein ähnlich ruhiges Leben hatte der Karl Renz mit seinem Porsche 997 RSR auf der zweiten Position. Dahinter stritten Jürgen Klüber (Chevrolet Corvette) und Jürgen Bender (Porsche 997 GT3) heftig um den letzten Podiumsplatz. Trotz aller Attacken kam Bender nicht vorbei. Am Ende lautete die Reihenfolge Aeberhard vor Renz, Klüber und Bender. Die Top5 vervollständige Robin Chrzanowski in einem Porsche 997 GT3. «Wegen der Nebelfelder war die Sicht in jeder Runde vollkommen anders. Leider hat diesmal die wirklich schnelle Konkurrenz gefehlt, trotzdem musste ich mich natürlich motivieren. Ich muss aber auch sagen, dass mir solche schnellen Kurse wie Dijon sehr gut liegen.», resümierte der souveräne Sieger Aeberhard. «Es war wunderbar für mich gelaufen, ich konnte mich nach dem Start gleich hinter den Jürg setzten, der dann ja richtig viel Tempo gemacht hatte», berichtete sein Landsmann Renz. «Jürgen Bender und Sepp Klüber waren so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass ich mich wunderbar absetzen konnte. Die Überrundungen liefen ebenfalls problemlos ab. Etwas Schwierigkeiten hatte ich allerdings mit dem Nebel.» Klüber war erstmals der Sprung in die Top3 gelungen: «Ich bin heute extrem zufrieden, denn es war mein erstes Podium hier in der Serie», freute sich Aschaffenburger. «Der Jürgen Bender kam gegen Ende des Rennens immer näher, doch ich habe alle seine Angriffe abgewehrt. Sicherlich hätte er am Ende schneller fahren können, ich muss aber auch sagen, dass ich mit gebrauchten Reifen gefahren bin, die sehr, sehr stark abgebaut haben.»

Der Blick in die Klassen:
Markus Huggler dominierte mit seinem BMW 320i die Klasse 2 nach Belieben. Allerdings kam bei dem Schweizer nicht viel Freude auf: «Meinen Rennen war eigentlich sehr langweilig, nur am Anfang hatte ich ein kleines Problem beim Einlenken, weil ich vorne keinen Grip mehr hatte. Ich dachte schon, dass was kaputt ist, doch nach einen langsamen Runde war alles wieder vollkommen normal.» Die Klasse 4 wurde eine sichere Beute von Christof Langer mit seinem BMW M3. «Der Tobias Paul hatte den besseren Start und es waren gleich drei, vier Autos zwischen uns. Schon in der Haarnadel hatte ich ihn außen herum aber wieder geschnappt, doch im Rückspiegel sah ich, dass er massive Probleme hatte», erzählte der Kirchheimer. «Da ich nicht wusste, wo Lars Pergande mit seinem BMW Z4 war, hatte ich das ganze Rennen gepusht und in der 17. Runde meine schnellste Runde überhaupt gefahren.» Die Probleme von Paul waren wirklich massiv. Zunächst hoffte der BMW M3-Pilot noch, dass es sich lediglich um einen Defekt an der Zündspule handelt. Nach einen eingehenden Untersuchung diagnostizierte er aber ein abgerissenes Ventil, womit der Dresdner vorzeitig die Heimreise antreten musste. Ganz anders lief es für Gerhard Ludwig, der mit seinem Toyota MR2 Turbo extrem schnelle Zeiten vorlegte und die Klasse 7 in souveräner Manier gewinnen konnte. Viel länger hätte das Rennen allerdings auch nicht dauern dürfen. «Am Anfang schon Spaß gemacht ganze vorne an den großen dran zu bleiben, doch merkte ich, dass ich hinten rechts etwas nicht in Ordnung ist. Ich habe dann etwas an Fahrt herausgenommen. Es wurde immer schlimmer und in der Auslaufrunde riss die Antriebswelle dann ganz ab», so der Esslinger. In der Klasse 8 hatte diesmal Dominic Fuchs die Nase vorne. Der Ransbach-Baumbacher (Porsche 997 GT3 Cup)hatte zwar zunächst den Start verhauen, konnte sich dann allerdings wieder recht schnell nach vorne kämpfen und am Ende die Klasse 8 zu seinen Gunsten entscheiden. «Ich hatte einen schönen Kampf mit dem Ferrari 458 Challenge von Alain Bürgin, wollte aber vor allem die Klasse gewinnen und habe deshalb keine Gewaltaktionen gestartet», blickte Fuchs zurück. «Ich war zum ersten Mal hier auf der Strecke und muss feststellen, dass sie ihren Titel als »kleine Nordschleife« absolut zu Recht trägt.» In der Klasse 9 war Martin Dechent mit seinen Porsche 997 GT3 Cup diesmal alleine gestartet. Er beschränkte sich notgedrungen auf klassenübergreifende Duelle und belegte am Ende den sechsten Platz im Gesamtklassement.

Beim zweiten Rennen fackelte Aeberhard wieder nicht lange und zog schnell auf und davon. Das galt jetzt auch für Bender, der möglichst viele Punkte für die Meisterschaft mitnehmen wollte und deshalb recht schnell an seinem Klassenkonkurrenten Klüber vorbei ging. Renz bewegte sich zunächst wieder auf der zweiten Rang rutsche gleich zweimal von der Strecke. Beim letzten dieser beiden Ausrutscher ließ sich Bender nicht lange bitte und schnappte sich den zweiten Platz. Am Ergebnis ändere sich dann nicht mehr. Aeberhard triumphierte vor Bender, Renz und Klüber. Der neuerliche Gesamtsieg von Aeberhard bescherte dem jungen Schweizer zumindest den Titel im UHSport EU Cup. «Ich freue mich, dass wenigstens der Titel geklappt hat», freute sich der erfolgreiche Youngster. «Der zweite Lauf war von den Bedingungen jetzt wirklich gut. Allerdings hatte ich gegen Ende doch arge Grip-Probleme, weil wir die Reifen vom ersten Lauf noch mal genommen hatten.» Für Bender als einer der Meisterschaftsfavoriten hieß und heißt die Devise natürlich Angriff. «Nachdem verloren ersten Lauf hatte ich im zweiten Lauf von Anfang an ein imaginäres Messer zwischen den Zähnen. Diesmal war ich recht schnell an Sepp Klüber vorbei», stellte der Neckarsulmer klar. «Als der Karl Renz rausgerutscht war, habe ich ihn auch noch überholt.» Renz hatte bei seinem Ausrutscher keinen Fahrfehler gemacht sondern Ärger mit seinen Bremsen gehabt. «Ich konnte nicht richtig bremsen und war zweimal neben der Strecke. Damit war mein Vorsprung von acht Sekunden weg. Ein alter Hase wie der Jürgen Bender lässt sich so eine Chance logischerweise nicht entgehen», schilderte der Routinier sein Missgeschick.

Der Blick in die Klassen:
Den Triumph in der Klasse 2 ging erneut an Huggler, der Eidgenosse fand diesmal sogar eine neue Motivation: «Ich habe mich an die BMW der größeren Klasse angehängt und bin einfach mein Rennen gefahren.» Das galt im zweiten Durchgang ebenfalls für Langer, zunächst kämpfte er mit Pergande, doch der bleib recht schnell ohne Vortrieb stehen. Danach fuhr der Schwabe seinen zweiten Sieg in der Klasse 4 ein und sammelte somit kräftig Punkte für die Meisterschaft. Ludwig war mit der Reparatur seiner Antriebswelle gerade noch fertig geworden, hatte allerdings auf die Montage des Unterbodens samt Diffuser verzichten müssen. Zunächst führte er die Klasse an, doch dann streikte wiederum die Antriebswelle und der Schwabe musste vorzeitig in die Boxen abbiegen. Somit hätte der Meisterschaftsleader Frank Schreiner (Porsche 996 GT3) die Möglichkeit gehabt voll zu punkten, doch der Saarländer musste seinem Markenkollegen Adrian Maeder den Sieg überlassen. «Ich kenne die Strecke einfach besser als der Frank. Zudem hat er den Start verpennt», lieferte der Schweizer eine simple Erklärung für seinen Klassensieg. In der Klasse 8 sah es nach einem neuerlichen Sieg von Fuchs aus, doch der Westerwälder drehte sich nach der Bretelle-Kurve und Theo Herlitschka konnte mit seinem Porsche 997 GT3 Cup problemlos vorbeiziehen. «Der stand mir sozusagen mit dem Gesicht entgegen. Danach bin ich meine Klasse schön nachhause gefahren», lachte Herlitschka. Dechent siegte notgedrungen wieder in der Klasse 9, belegte jetzt allerdings sogar den fünften Rang im Gesamtergebnis. «Ich erst einen schönen Kampf mit dem Robin Chrzanowski, dann wollte ich noch an den Sepp Klüber ran, doch gegen das mächtige Drehmoment von seiner Corvette hatte ich keine Chance», erklärte der sichtlich zufriedenere Badener.

Die Meisterschaft bleibt somit spannend wie selten. Sowohl Frank Schreiner (97,10 Punkte), als auch Christof Langer (90,20) und ganz besonders Jürgen Bender (89,40) können weiter sich berechtigte Hoffnung auf den Titel machen. Die letzteren beiden dürften es in Hockenheim nicht gerade leicht haben. Sowohl in der Klasse 4 und noch viel mehr in Benders Klasse 10, also die »GT3-Klasse», wird die Konkurrenz beim großen Finale extrem stark sein. Zudem haben Langer und Bender ihr einziges Streichergebnis bereits »verbraucht« während Schreiner noch keinen einzigen Ausfall zu verzeichnen hat.


Martin Berrang

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